WORKSHOP MIT SCHÜLER*INNEN, ELTERN UND LEHRER*INNEN

„Wie soll meine Schule von morgen aussehen?" Diese Frage stellten sich Schüler, Eltern und Lehrer im Rahmen einer Denkwerkstatt am Evangelischen Firstwald-Gymnasium in Kusterdingen. Konkret: Was sollen Schülerinnen und Schüler eigentlich können, wenn sie Abitur haben? Wie muss der Unterricht aussehen, um das zu leisten? Und wie muss eine Schule räumlich und technisch ausgestattet sein, um guten Unterricht zu gewährleisten?

Gleich zu Anfang des Workshops gab Matthias Förtsch, Schulentwickler am Firstwald-Gymnasium in Mössingen, in einem kurzen Vortrag die Linie vor: „Schule vernachlässigt die Kreativität, obwohl sie eine der wenigen Eigenschaften ist, die den Menschen von einer zukünftigen KI unterscheiden könnte." In einer sich radikal wandelnden Welt müsse Lernen ganz neu gedacht werden, es genüge nicht, das Lernen quasi zu digitalisieren. In dieselbe Kerbe hieb auch Schulleiterin Birgit Wahr: „Es geht nicht darum, digitale Medien anzuschaffen und diese dann einzusetzen oder die alte Pädagogik einfach zu digitalisieren, sondern es handelt sich um einen Paradigmenwandel: Was muss sich an der Schule ändern, wenn wir uns in einer digitalen Welt aufhalten?"

In verschiedenen gemischten Arbeitsgruppen machten sich dann Eltern, Schüler und Lehrer daran, Visionen einer Schule von morgen zu entwickeln und erste konkrete Schritte zu planen. Großen Raum nahm dabei erwartungsgemäß die Frage ein, wie man eine Balance zwischen Chancen und Gefahren der Digitalisierung herstellen und so einer lebensweltorientierten Schule Raum und Struktur geben kann: Neben der Vermittlung von fundiertem Wissen über digitale Medien und deren Möglichkeiten inklusive praktischer Anwendung waren die Möglichkeit zum home office für Schüler und damit Flexibilisierung der Unterrichtszeiten, flipped Classroom, Webinare, digitaler Austausch mit Firmen, Universitäten und anderen Schulen Ideen, die es nun weiter zu denken gilt. Um auf die moderne Arbeitswelt vorbereitet zu sein, müsse zudem interdisziplinäres Lernen einen größeren Raum im Schulleben einnehmen.

Wichtig war allen Beteiligten aber auch, dass Lehren und Lernen immer auch viel mit persönlicher Beziehung zu tun haben muss, Lehrkräfte nicht auf die Funktion des Coaches und Lernbegleiters reduziert werden dürfen. „Guter analoger Unterricht bleibt gut, schlechter analoger Unterricht wird auch durch Digitalisierung nicht besser", brachte es ein Vater auf dem Punkt. Von Schülerseite kam der Wunsch nach mehr Praxisbezug: „Wir wünschen uns mehr Themen, die uns auf das zukünftige Leben vorbereiten, einfach auch mehr Wahlmöglichkeiten abseits der etablierten Schulfächer und noch mehr Projektarbeit."

Eine These des Eingangsvortrags von Mattias Förtsch lautete: „Alles Gute kommt von unten – Schulen werden permanente Schulentwicklung betreiben müssen, unter Mitwirkung aller am Schulleben Beteiligten." Dieses Denken hat an den Firstwald-Schulen Tradition: 2010 gewann Mössingen dafür den Deutschen Schulpreis – als ehemaliger Außenstelle liegt innovatives Denken dem seit diesem Jahr eigenständigen Kusterdinger Gymnasium also quasi in den Genen.

M. Faiss

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