J2-EXKURSION ZUR LESUNG VON TOM FRANKLIN

Geräusche von Jacken und Taschen, die verstaut werden, Blätter, die gefaltet werden, und das Murmeln und Lachen von mehreren hundert Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis Tübingen erfüllt am Donnerstag, den 12.12.2019 die Neue Aula der Universität Tübingen.

Dann wechselt die Sprache in Englisch und es wird leiser, die Lesung zu Crooked Letter, Crooked Letter von Tom Franklin beginnt. Der Roman ist in Baden-Württemberg für den Abi-Jahrgang 2020 Englischlektüre. Nach Vorstellung und Danksagungen, tritt der Autor auf die Bühne, überrascht so vielen interessierten Gesichter gegenüber zu stehen. Schnell nimmt er die Zuhörer für sich ein, macht witzige Bemerkungen und lockert so die Atmosphäre auf. Zu Beginn stellt er dem Publikum die Frage, wie viele der Schüler denn das Buch gelesen hätten. Als dann als Reaktion viele Hände hochgehen, lacht er und meint, er selbst habe in seiner Jugend die Schullektüren nie gelesen. Erst als erwachsener Mann hätte er das nachgeholt und es habe sich gelohnt.

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechselnd, erzählt der Roman Crooked Letter, Crooked Letter von Silas Jones und Larry Otts Leben mitten im ländlichen Mississippi. Ein Mädchen aus dem Heimatort verschwindet und wird später für ermordet erklärt, ähnliche Ereignisse in der Vergangenheit machen Larry zum Hauptverdächtigen. Neben der Aufklärung der beiden Vorfälle beschäftigt sich der Thriller mit Themen wie Einsamkeit, Zugehörigkeit, Rassismus, Identitätssuche und Heimat. Für seine Lesung hat Tom Franklin sich für das Kapitel entschieden, in welchem die Protagonisten das erste Mal aufeinandertreffen.

Zehn Minuten liest der Autor anschließend vor. Der amerikanische Akzent und die lebendige Lesung lassen die Geschichte unmittelbar und greifbarer erscheinen. Große Teile der Lesung trägt Tom Franklin vor ohne dabei ins Buch zu schauen, es wirkt, als erzähle der Autor seine eigene Geschichte. Später stellt sich heraus, dass genau dies der Fall ist und viele Begegnungen und Erlebnisse in seinem Roman von seinem eigenen Leben inspiriert sind.
In der zweiten Hälfte der Veranstaltung können die Schülerinnen und Schüler Fragen stellen zum Roman und den darin behandelten Themen. Tom Franklin nimmt sich ausführlich Zeit und erzählt: von Rassismus in den USA, Ausgrenzung, seiner Familie, seinem ersten Date und über das einfache, ländliche Leben in Mississippi.

Zum Schluss bedankt er sich mehrmals und man kann seine Freude darüber spüren, so viele junge Menschen in einem anderen Land mit seinem Werk erreicht zu haben. Denn Lesen, so Tom Franklin, sei heute wichtiger denn je.

Anna-Sofia Fritschle

powered by webEdition CMS