Studienfahrt "Pilgern auf dem Jakobsweg"

Der Schweiß perlt auf meiner Stirn, als sich vor mir die Gipfel der Pyrenäen über dem Tal erstrecken. In meinen Ohren tönt die Titelmusik von „Der Hobbit" und die Sonne wirft durch meinen Strohhut einen Schatten auf mein Gesicht. Es ist die Schweigestunde, die wir ganz euphorisch gleich am ersten Tag unserer Pilgerreise einlegen, und in der wir eine Stunde lang kein Wort mit einander reden. Obwohl vor mir und hinter mir meine Mitschüler wandern, fühle ich mich zwischen den Gebirgen, den Sonnenstrahlen und der heißen Luft wie der einzige Mensch auf der Welt. Ich bin die Ruhe selbst und alle Probleme und Sorgen meines Alltags scheinen ferner als der Horizont.

Wenn man mal ganz alleine mit sich und seinen Gedanken sein und sich ausschließlich auf seine Schritte konzentrieren darf, fühlt man sich selbst viel näher.
Und darum geht es für mich beim Pilgern: Sich selbst näherzukommen. Sich selbst zu finden.

Pilgern bietet viel mehr als das Wandern, die Rückenschmerzen und den Sonnenbrand. Denn wenn man mal die Vorurteile abgelegt und von den Blasen an den Füßen abgesehen und sich mit Sonnencreme eingeschmiert hat, kann man beim Pilgern viel mehr erleben, als man erwartet hat. Wenn man sich erstmal darauf eingelassen hat, ist das bloße Wandern -zumindest für mich- spannender als jeder Krimi. Und auch wenn wir einen ganzen Tag nur wandern, hat danach keiner das Gefühl, nichts erlebt zu haben. Denn die eigentliche Reise findet im Inneren statt.

C. Riekert

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